Strandroggen glutenfrei?

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Strandroggen glutenfrei?

Beitragvon clausimausi » 01 Mär 2020 20:32:30

Hallo,
ist Strandroggen glutenfrei?
-> https://de.wikipedia.org/wiki/Strandroggen_(Gattung)
LG & danke!
Claus

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Re: Strandroggen glutenfrei?

Beitragvon moni130 » 01 Mär 2020 23:55:08

Wow Claus,

jetzt fühle ich mich aber ertappt .......

Strandroggen, mit botanischem Namen Elymus aranarius oder Leymus arenarius ist ein hübsch bläulich schimmerndes, winterhartes Dünengras, das über Rhizomteile vermehrt wird. Wie der botanische Name schon verrät, hat es nichts mit Roggen (= Secale) zu tun und darf daher als glutenfrei betrachet werde. Aber beim Strandroggen interessiert sich niemand für die Körner, außer vielleicht ein paar Käfer oder Mäuse, sondern die Wuchsform und die Ansprüche an den Standort machen es zu einem wertvollen Helfer bei der Dünenstabilisierung - zusammen mit Strandhafer, (Ammophila arenaria), der auch nichts mit dem Hafer als Anbaufrucht (= Avena) zu tun hat. Man kann Strandroggen aber auch in Gärten einsetzen.

Monika
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Re: Strandroggen glutenfrei?

Beitragvon clausimausi » 02 Mär 2020 06:13:50

Danke für die Antwort.
Oh, ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen!
Der Hintergrund meiner Frage ist, dass es hier in Reykjavík alle paar Monate/Wochen ein PopUp-Dinner mit hpts. Strandroggen gibt ... Mir wurde gesagt, ja, es sei glutenhaltig. Aber ich bin mir da aber nicht so sicher ...
LG
Claus

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Re: Strandroggen glutenfrei?

Beitragvon moni130 » 02 Mär 2020 08:54:53

Hallo Claus,

Popup-Dinner in Reykjavík? Also da würde ich davon ausgehen, dass die Bezeichnung "Strandroggen" einfach irreführend ist und es um die isländische Spezialität aus ganz normalem Roggen geht, der natürlich glutenhaltig ist. Ich wüßte nicht, wie man von echtem Strandroggen, der sich ja durch seine vielen langen, harten Blätter auszeichnet, die paar Körnchen, die er als Samen produziert, ernten und für menschliche Ernährung verwerten könnte. Anders als echter Roggen, verbreitet er sich ja durch sein Ausläufer bildendes Wurzelwerk, braucht also für die Fortpflanzung kaum Samen, bzw. um Neuland zu besiedeln Samen, die auch einen längeren Transport im Meer überstehen oder dem Verdauungstrakt von Vögeln unbeschadet entkommen können. Auch wenn man Strandroggen gezielt zur Stabilisierung von Sandflächen verwendet, oder als Zierstaude im Garten, nimmt man in der Regel Setzlinge.

Was lernt man daraus? Vorsicht bei Planzennamen! Nicht immer stimmt das, was in einer Region als Bezeichnung einer Pflanze üblich ist, mit dem überein, was im Rest der Welt unter diesem Namen bekannt ist. Um sicher zu sein, braucht man daher immer den sog. botanischen Namen der Pflanze, die gemeint ist.

In Verlegenheit hast Du mich nicht gebracht, nein, ganz und gar nicht. Du hast mir einen Ausflug in meine Vergangenheit beschert, in der Wind, Sand und Dünen mein zentrales Thema waren, bis mir die damals unerkannte Zöliakie alles durchkreuzte.

Gruß
Monika
Zuletzt geändert von moni130 am 02 Mär 2020 09:11:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Strandroggen glutenfrei?

Beitragvon clausimausi » 02 Mär 2020 09:09:22

Hier eine Info zu diesem Event:
https://artmuseum.is/events/grass-eatery-dinner
Dort ist die Rede von "Icelandic Lyme grass"
Hier in Island hatte es in der Vergangenheit für die Bevölkerung eine grosse Bedeutung.

Die isländische Bezeichnung ist "melgresi"
https://deis.dict.cc/?s=melgresi ergibt Strandroggen bzw Blauer Helm (Leymus arenarius).

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Re: Strandroggen glutenfrei?

Beitragvon moni130 » 02 Mär 2020 09:57:47

Okay, Claus,

der Blaue Helm ist tatsächlich der Strandroggen, der auch als Lyme-Gras bezeichnet wird.

Wenn man in die Geschichte eintaucht, dann findet man tatsächlich Belege dafür, dass bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf Island Samen des Blauen Helm gesammelt und für die Ernährung genutzt wurden. Damals gab es auf der ganzen Insel deutlich weniger als 100.000 Einwohner und die lebten verstreut an der Küste - wo eben auch der Strandroggen wächst. Da war es buchstäblich naheliegend, den auch zu verwerten, auch wenn es sicherlich mühsam war. Aber andere Nahrungsmittel heran zu schaffen, war sicherlich nicht weniger mühsam.

Das von dir genannte Event ist sicherlich eine tolle Sache. Nur würde ich mich nicht davon verführen lassen, dass es vorrangig um den Strandroggen geht, sondern dass beim Essen eben noch andere Zutaten eine Rolle spielen, die womöglich wirklich nicht gf sind. Ich würde versuchen, das mit dem Chef abzuklären. In der Beschreibung ist ja von vielseitigen Anwendungen dieses auf Island so weit verbreiteten Grases die Rede und das ist sicherlich nicht darauf beschränkt, dass man es aufisst.

Monika
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